Harald-Genzmer-Stiftung

Harald Genzmer

* 09. Februar 1909 in Blumenthal (Bremen)
† 16. Dezember 2007 in München

 

Genzmer-Werkverzeichnis 2011

 

ECHO Klassik-Preisträger 2009. „Editorische Leistung des Jahres“

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Harald Genzmer 9.2.1909 – 16.12.2007.
Zum 100. Geburtstag. 10 CDs [Thorofon CTH 2553]

 

 

Kurzbiographie

harald_genzmerHarald Stefan Max Genzmer, * 9. Februar 1909 in Blumenthal bei Bremen, † 16. Dezember 2007 in München. Komponist.

Seine familiäre Abstammung liegt väterlicherseits bei einer Pfarrer- und Juristenfamilie, die im 17. Jahrhundert in Freienwalde a.O. lebte und eventuell ursprünglich aus der Ortschaft Genzmer im Oderbruch stammt (heute Genschmar im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg). Genzmers Vater Felix bekleidete in späteren Jahren eine Professur für Staatsrecht. Ein Interessensschwerpunkt lag bei ihm in der Beschäftigung mit altgermanischen Texten; er übersetzte die Edda. Mütterlicherseits liegt die Herkunft in einer Berliner und Stettiner Familie.

Harald Genzmer legte 1927 nach häufigen familiär bedingten Wohnsitzwechseln (Posen 1910, Berlin-Lankwitz 1919 und Rostock 1921) in Marburg das Abitur ab. Zu den ersten den jungen Genzmer prägenden musikalischen Höreindrücken gehören die Aufführung der „Alpensinfonie“ von Richard Strauss (Rostock, 1923) sowie die „Musik für Orchester“ von Rudi Stephan (Rostock,1923). In Marburg waren es vor allem kammermusikalische Darbietungen wie die des Rosé-Quartetts. Besonders prägend für die weitere musikalische Entwicklung Genzmers war das Erleben eines Auftrittes des Amar-Streichquartetts mit Paul Hindemith (Gießen, 1924). Bereits während der Gymnasialjahre und darüber hinaus bis in das Jahr 1928 erhielt er Orgel-, Klavier- und Tonsatzunterricht beim Marburger Universitätsmusikdirektor Herman Stephani.

1928 absolvierte Genzmer die Aufnahmeprüfung an der Berliner Hochschule für Musik in den Fächern Komposition und Klarinette. Die Prüfungskommission bestand aus Franz Schreker, Georg Schünemann und Paul Hindemith. Genzmer studierte von 1928 bis 1934 Komposition bei Paul Hindemith bis zu dessen Weggang aus Berlin. Zu den weiteren Lehrveranstaltungen die Genzmer in dieser Zeit besuchte, gehörten Instrumentenkunde (bei Curt Sachs), Musikwissenschaft (bei Georg Schünemann), Klavierunterricht (bei Rudolf Schmidt) und Klarinettenunterricht (bei Alfred Richter).

Von 1934 bis 1937 arbeitete Genzmer als Korrepetitor und später als Studienleiter an der Oper in Breslau. Bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin erhielt Genzmer eine olympische Bronzemedaille in der Kategorie „Solo- und Chorgesang“ für sein Werk „Der Läufer“. Von 1938 bis 1942 unterrichtete er Tonsatz und Zusammenspiel an der Volksmusikschule in Berlin-Neukölln. Nachdem er 1940 zum Militär eingezogen wurde, leistete er seinen Militärdienst vorerst als Klarinettist und wurde später freigestellt für Wehrmachts- und Lazarettkonzerte. In dieser Zeit begann die Zusammenarbeit mit Oskar Sala, dem Protagonisten des Trautoniums. Genzmer schrieb zahlreiche Werke für dieses Instrument, darunter zwei Konzerte für Trautonium und Orchester. Andere Kompositionen mit Trautonium müssen wahrscheinlich als Kriegsverluste angesehen werden. Genzmer begleitete Sala häufig auf dessen Konzertreisen.

Im Jahr 1946 wurde Genzmer als Stellvertretender Direktor und Professor für Komposition an die neu gegründete Musikhochschule in Freiburg im Breisgau berufen. In dieser Zeit entstand die „Suite in C“ für Klavier, die Carl Seemann uraufführte. Von 1957 bis 1974 lehrte er Komposition an der Hochschule für Musik in München. Er war Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Akademie der Schönen Künste Berlin. Zu den Schülern von Harald Genzmer zählen u.a. Bertold Hummel, Heinz Winbeck und Friedrich Zehm. In München lebte und komponierte Harald Genzmer auch nach seiner Pensionierung bis zu seinem Tod am 16. Dezember 2007.

Unter seinen zahlreichen Auszeichnungen sind besonders erwähnenswert der Musikpreis der Stadt München (1962), der Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (1991) und der Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung (1996). Harald Genzmer hinterlässt ein kompositorisches Werk von gewaltigem Umfang. Im Zentrum des Werkschaffens stehen Orchester-, Kammer- und Chormusik. Hier werden alle musikalischen Gattungen bedacht. Hinzu kommen zahlreiche Werke für Klavier und Orgel. Die Bühnenmusik beschränkt sich auf das Ballett „Der Zauberspiegel“ (1965). Musikalisches Denken und musikalische Praxis sind bei Harald Genzmer untrennbar miteinander verwoben – Komposition, Lehre und Aufführungspraxis bilden eine Einheit. Die Blickrichtung ist stets auf den Menschen gerichtet, ob Interpret oder Hörer, ob Laie oder Berufsmusiker. Der Komponist bemerkte im Jahre 1978: „Musik soll vital, kunstvoll und verständlich sein. Als praktikabel möge sie den Interpreten für sich gewinnen, als erfassbar sodann den Hörer“.

Copyright Fotos: Schott-Archiv / Peter Andersen 1991